Leitbild der Evangelischen Landesarbeitsgemeinschaft für Suchthilfe im Diakonischen Werk Berlin–Brandenburg e.V.
1. Wer sind wir?
Die ELAS wurde als Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft für Suchthilfe des Diakonischen Werkes Berlin Brandenburg e. V. im März 1993 gegründet. Sie ist der Zusammenschluss aller Mitglieder des Diakonischen Werkes Berlin Brandenburg e. V., die in ihren Einrichtungen und Diensten Suchthilfe anbieten.
Grundlage unserer Arbeit ist das christliche Menschenbild, deshalb lassen wir uns von folgenden Grundsätzen leiten:
Persönlichkeit
Jeder Mensch ist frei, das eigene Leben so zu gestalten, wie es seinen Wünschen, Vorstellungen und Bedürfnissen, aber auch seinen Möglichkeiten entspricht.
Die eigene Freiheit auf Entfaltung findet seine Grenzen an der Beschneidung der Rechte Anderer.
Christlicher Glaube sieht den Menschen als personale Einheit von Seele, Leib und Geist. Unser Handeln ist auf die ganze Persönlichkeit gerichtet.
Würde
Die Würde jedes Menschen und der Wert des Lebens sind nicht daran gebunden, was der Einzelne kann und leistet sondern daran, dass jeder Mensch in seiner Einmaligkeit von Gott geschaffen, geliebt und bedingungslos angenommen ist.
Das gilt für alle Menschen, gleich welcher Nationalität, Hautfarbe, Weltanschauung oder welchen Geschlechts, Alters oder Konstitution sie sind. Wir haben Achtung vor dem Leben, dem Sterben und dem Tod.
Verantwortung
Jeder Mensch kann sich seinen Fähigkeiten entsprechend einbringen. Aus diesem Grunde teilen wir Verantwortung, ermöglichen eigene Entscheidungs- sowie Handlungsspielräume und fördern Eigeninitiative.
ELAS und seine Mitglieder übernehmen sozialpolitische Verantwortung und engagieren sich in der gesellschaftlichen Entwicklung vor allem in Bezug auf die Auseinandersetzung mit Abhängigkeiten.
Gott hat jedem Menschen Gaben zum Wohle seiner selbst und dem seiner Mitmenschen geschenkt.
Verständnis
Wenn wir Fehler machen, weisen wir einander darauf hin und versuchen, diese Fehler in Zukunft zu vermeiden. Wir sind bereit, Fehler einzugestehen, uns korrigieren zu lassen und uns gegenseitig neue Anfänge zu gewähren.
Konflikte scheuen wir nicht, denn wir erleben sie als eine Möglichkeit zur Lösungssuche.
Christlicher Glaube lehrt uns: Niemand ist fehler- und schuldlos.
Begegnung
Jeder Mensch ist auf andere Menschen und die Kommunikation mit ihnen angewiesen. In den Begegnungen lassen wir einander gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen und Verlässlichkeit spüren. Wir lassen die Vielfalt unterschiedlicher Meinungen gelten und bemühen uns in wichtigen Fragen um Konsens. "Der Mensch wird am Du zum Ich" (M. Buber).
2. Selbstverständnis der Arbeit
In der Arbeit erleben wir Menschen, die durch eine Suchterkrankung oder die missbräuchliche Benutzung von Suchtmitteln in allen Bereichen des Daseins betroffen sein können:
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in der eigenständigen, zufriedenstellenden und sinngebenden Gestaltung ihres Lebens,
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im Aufbau und bei der Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen,
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bei der Gewinnung und Erhaltung eigener Erwerbsmöglichkeiten,
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in der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft,
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im Leben in psychischer und physischer Gesundheit.
Diakonische Suchthilfe sieht ihre Aufgaben in der Prävention, Beratung, Therapie, Nachsorge und Begleitung.
Nach unserem Verständnis entsteht eine Abhängigkeit durch das Zusammenwirken psychischer, biologischer und sozialer Aspekte.
Wir bieten Hilfestellung zu einer selbstbestimmten, zufriedenen und sinnerfüllten Lebensgestaltung.
Dabei ist es uns wichtig, die Individualität der KlientInnen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und sie in ihrer Eigenverantwortung zu stärken.
Wir sehen Prävention, das Erlernen eines gesunden Umgangs mit Suchtmitteln, als Teil diakonischer Arbeit. Dazu gehört die gesellschaftspolitische Einflussnahme zur Veränderung von Rahmenbedingungen hin zu einem verantwortlichen Umgang mit Suchtmitteln. Weiterhin treten wir für eine angemessene Berücksichtigung von abhängigkeitskranken Menschen und deren Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ein.
3. Zielgruppen
Zielgruppen der Suchthilfe sind abhängigkeitskranke und von Abhängigkeit bedrohte Menschen, Konsumenten von Suchtstoffen und Menschen mit stoffungebundenen Süchten sowie deren Angehörige (Kinder, Eltern, Partner, Freunde und Arbeitskollegen). Unsere Hilfsangebote richten sich insbesondere an benachteiligte und ausgegrenzte Personengruppen, wie zum Beispiel wohnungslose und chronisch mehrfachbeeinträchtigte Abhängigkeitskranke. Wir bieten Begleitung, Betreuung, Behandlung und Beratung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowohl im Alltag als auch in Krisensituationen bis hin zur Begleitung im Sterbeprozess.
4. Aufgaben und Ziele
Wir unterstützen Klienten, Angehörige und Ratsuchende bei der Entwicklung und Umsetzung individueller Lebensentwürfe. Wir beachten die jeweils unterschiedlichen Lebenssituationen, den individuellen Hilfebedarf und die vorhandenen Ressourcen.
Ziel der Arbeit in der diakonischen Suchthilfe ist die soziale und berufliche Integration der Betroffenen auf der Basis einer möglichst dauerhaften abstinenten Lebensweise und eines verantwortlichen Umgangs mit Suchtmitteln.
Zu den Aufgaben und Zielen diakonischer Suchthilfe gehören die Selbsthilfe, die Aus- und Fortbildung der in der Suchthilfe tätigen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Prävention.
Wir engagieren uns im gesundheits- und sozialpolitischen Diskurs auf regionaler und überregionaler Ebene, um die Suchthilfe innovativ weiter zu entwickeln.
5. Arbeitsfelder
Diakonische Suchthilfe bietet ein vielfältiges und differenziertes Spektrum an niedrigschwelligen, therapeutischen, betreuenden, präventiven und nachsorgenden Hilfen an.
Folgende Angebote werden derzeit vertreten:
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Beratungs- und Behandlungsstellen für Abhängigkeitskranke,
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Suchtprävention,
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Suchtselbsthilfe in Selbsthilfegruppen, Kontaktstellen, Kirchenkreisen und Kirchgemeinden,
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Beschäftigungs- und Begegnungsstätten,
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Ambulant betreutes Einzelwohnen für abhängigkeitskranke Menschen,
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Therapeutische Wohngemeinschaften,
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Sozialtherapeutische Einrichtungen,
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Wohnstätten für mehrfachbeeinträchtigte abhängigkeitskranke Menschen.
Die diakonische Suchthilfe übernimmt in der jeweiligen Region einen definierten Versorgungsauftrag. Die Vernetzung und Kooperation erfolgt insbesondere mit anderen Trägern der Suchthilfe und steht im engen Bezug zu anderen sozialen Diensten wie der Wohnungslosenhilfe, der Kinder- und Jugendhilfe und der Behindertenhilfe.
6. Kooperation
Die Evangelische Landesarbeitgemeinschaft für Suchthilfe fördert die Vernetzung und Kooperation ihrer Mitglieder durch Beratung und Informationen in Fachausschüssen, Arbeitskreisen, Fort- und Weiterbildungen sowie einem regelmäßigen Informationsdienst.
Auf Landesebene kooperiert die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Suchthilfe mit den Fachgremien der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege und den Landesstellen gegen die Suchtgefahren.
Wir sind aktives Mitglied im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg e. V. und vertreten es im Gesamtverband für Suchthilfe im Diakonischen Werk der Ev. Kirche in Deutschland e. V.
7. Qualitätsanspruch
Wir nutzen die Methoden zur Qualitätssicherung und des Qualitätsmanagements, reflektieren und analysieren unsere Arbeit und entwickeln neue Impulse und Lösungsansätze, um die Hilfsangebote für die Betroffenen und deren Angehörigen weiter zu entwickeln.
Orientiert am aktuellen Bedarf einzelner Dienste, Einrichtungen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bieten wir Aus-, Fort- und Weiterbildungen an.
Wir fördern die fachliche und politische Diskussion in unseren Gremien und Arbeitszweigen, dabei hat der Transfer von Erkenntnissen der Suchtforschung in die Praxis einen hohen Stellenwert.









